Insolvenzen in der Schweiz steigen auf den höchsten Stand seit 1994 und nehmen in nahezu allen Kantonen und Branchen zu

Zürich, 12. August 2026 – Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Schweiz ist im ersten Halbjahr 2026 auf 7'496 gestiegen, den höchsten Stand seit 1994. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 mit 4'845 Fällen entspricht das einem Anstieg von 54,7 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Analyse von Dun & Bradstreet hervor. Rechnerisch meldeten in der Schweiz im ersten Halbjahr 2026 täglich rund 41 Unternehmen Insolvenz an. Setzt sich dieses Tempo fort, könnte die Gesamtzahl der Insolvenzen 2026 auf einen Rekordwert von rund 15'000 steigen, nach 11'856 im gesamten Jahr 2025. Dabei spielt auch eine gesetzliche Änderung eine Rolle. Seit Anfang 2025 sind öffentliche Gläubiger wie Steuer- und Sozialversicherungsbehörden verpflichtet, offene Forderungen konsequenter über Betreibungsverfahren durchzusetzen, was einen Teil des Anstiegs erklärt.

«Der Anstieg in der Schweiz ist nur zum Teil wirtschaftlich bedingt», sagt Dirk Radetzki, Senior Vice President, Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet Deutschland. «Das verändert auch die Vergleichbarkeit mit früheren Jahren, ein Teil der heute erfassten Fälle wäre unter den alten Regeln nie in einem Konkursverfahren gelandet. Wirtschaftlich treiben weiterhin hohe Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage in Teilen des Bau-, Handels- und Gastgewerbes den Anstieg zusätzlich.»

Insolvenzen steigen in 25 von 26 Kantonen
In 25 der 26 Kantone stiegen die Insolvenzzahlen, einzig Schwyz verzeichnete mit minus 13,5 Prozent einen Rückgang. Die meisten Insolvenzen entfielen auf Zürich (1'261 Fälle), Genf (788) und Waadt (717), die wenigsten auf Uri (10), Appenzell Innerrhoden (11) und Glarus (15). Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen in Thurgau (+194,6 Prozent), Appenzell Innerrhoden (+175 Prozent), Basel-Landschaft (+157,9 Prozent) und Jura (+132,4 Prozent). Die breite geografische Streuung des Anstiegs hängt eng mit der Gesetzesreform zusammen, die landesweit einheitlich gilt und Kantone sowie Branchen gleichermassen betrifft.

Handwerk und Gastgewerbe mit den meisten Insolvenzen
Auf Branchenebene meldete das Handwerk mit 1'053 Fällen die höchste Zahl, gefolgt vom Gastgewerbe (770) und dem Einzelhandel (626). Ein Anstieg der Insolvenzen zeigte sich praktisch in allen Branchen, die einzige Ausnahme bildete das Baugewerbe mit einem Rückgang von 12,5 Prozent. Prozentual am stärksten wuchsen die Fallzahlen im Druck- und Verlagsgewerbe (+193,3 Prozent), im Versorgungswesen (+158,8 Prozent) und im Transportwesen (+125 Prozent).

Etablierte Unternehmen am stärksten betroffen
Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz sind am stärksten von Insolvenzen betroffen. Mit 2'814 Fällen und einem Anteil von 37,5 Prozent stellen sie das grösste Segment, vor Unternehmen zwischen fünf und zehn Jahren (2'027 Fälle, 27 Prozent). Je länger ein Unternehmen am Markt ist, desto grösser ist demnach sein Risiko, im aktuellen Umfeld insolvent zu werden.

«Dass es in der Schweiz nahezu alle Kantone und Branchen gleichzeitig trifft, ist ungewöhnlich und verstärkt das Bild eines systemischen statt branchenspezifischen Effekts», sagt Dirk Radetzki. «Auffällig ist, dass die Reform gerade jene Fälle sichtbar macht, die wirtschaftlich schon lange am Limit waren, oft langjährige Betriebe mit wenig Spielraum für weitere Belastungen. Das neue Konkursrecht deckt damit eine Verletzlichkeit auf, die vorher lange unsichtbar geblieben ist.»

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